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 Zucht von Leopardgeckos

 

Die Zucht von Leopardgeckos ist nicht besonders schwierig oder kompliziert. Im Gegenteil, wenn man Männchen und Weibchen gemeinsam hält, kommt es meistens ganz von selbst früher oder später zur Fortpflanzung.

 

Z u c h t g e d a n k e n 

Das enthebt den Halter aber nicht der Verantwortung darüber, wie vielen kleinen Leopardgeckos er durch Inkubation der Eier ins Leben verhilft. Man sollte sich   v o r   Beginn der Vermehrung bzw. Zucht Gedanken darüber machen, ob für die Jungtiere Absatzmöglichkeiten bestehen, welche Anzahl an Jungtieren man für wie lange unterbringen kann, usw., und die Zahl der inkubierten Eier danach planen. In letzter Zeit ist teilweise eine regelrechte Schwemme an Jungtieren festzustellen, und es ist daher schon fast verantwortungslos, einfach kopflos und ohne jede Planung jedes fallende Ei zu inkubieren.

 

G e s c h l e c h t s b e s t i m m u n g

Die Bestimmung des Geschlechts ist zumindest bei adulten Tieren nicht sehr schwierig, da sich die männlichen Tiere durch das Vorhandensein von Präanalporen (ein auf der Bauchseite kurz über der Kloake befindliches „Dreieck“ von Poren, aus denen ein Sekret abgeben wird, mit dem die männlichen Tiere ihr Revier abgeben) und Hemipenistaschen (unterhalb der Kloake am Schwanzansatz gelegene Taschen, in welchen sich die Begattungsorgane befinden) deutlich von den Weibchen unterscheiden, da den Weibchen beide Merkmale fehlen. Zudem entwickeln die Männchen etwa ab dem zweiten Lebensjahr meist einen deutlich größeren Kopf und breiteren Nacken als die weiblichen Tiere (Geschlechtsdimorphismus).

männliche Tiere:

 

weibliche Tiere:

 

Sowohl die Präanalporen als auch die Hemipenistaschen bilden sich allerdings erst mit der Zeit zu mit bloßem Auge erkennbaren Geschlechtsmerkmalen aus, weswegen die Unterscheidung der Geschlechter bei Jungtieren von unter einem halben Jahr oft schwieriger ist. Am sichersten lässt sich das Geschlecht frühzeitig feststellen, wenn man die Tiere im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Lupe nimmt“: Während die Poren der Weibchen wie auch bei erwachsenen Tieren unauffällig sind oder nur einen „Schatten“ aufweisen, sehen die Präanalporen der männlichen Tiere bereits bei Schlüpflingen aus, als wären sie jeweils mit einem winzigen Nadelstich versehen.

junger männlicher Gecko, ca. 2 1/2 Monate alt und 10 g schwer, durch die Lupe photographiert

 

Z u c h t   und   I n k u b a t i o n

Die Fortpflanzung von Leopardgeckos gehorcht einem Jahreszyklus. Meist beginnt die Zuchtsasion recht bald nach dem Ende der Winterruhe (also etwa Februar/März) und dauert ca. bis September. In dieser Zeit legt ein Weibchen durchschnittlich 8 – 10 Gelege zu je zwei Eiern, ausnahmsweise kann es bei sehr jungen oder älteren Weibchen auch zu Gelegen mit nur einem Ei kommen. Es ist nicht für jedes Gelege eine erneute Paarung notwendig, da Leopardgecko-Weibchen in der Lage sind, die Samenzellen bis zu einem halben Jahr lang zu speichern.

Die Paarung selbst gleicht eher einem „Überfall“ und kann ziemlich ruppig vonstatten gehen. Das Männchen nähert sich dem Weibchen mit „zitternden“ Bewegungen und versucht es durch einen Nackenbiß so zu fixieren, daß es die Hemipenis in die Kloake des Weibchens einführen kann. Nach dem Geschlechtsakt reinigt das Männchen sich gründlich mit der Zunge.  


Paarung:

© www.thebestgeckos.com

 

War die Paarung erfolgreich, lassen sich die Eier bereits nach ca. 1 bis 2 Wochen durch die Bauchdecke des Tieres und auch seitlich als hellere Flecken erkennen. Die Tragzeit bei Leopardgeckos beträgt im Durchschnitt 4 Wochen, kann aber auch kürzer oder länger ausfallen. Tatsächlich kennt man in der Terrarienhaltung selten den genauen Zeitpunkt der Paarung. Sobald aber die Eier sichtbar sind, kann man davon ausgehen, dass ca. 2 bis 3 Wochen später die Eier abgelegt werden.

Neben den Eiern kann man auch bereits die Ovarien (Eizellen) durch die Bauchdecke erkennen. Diese durchlaufen verschiedene Stadien, bevor sie bereit zur Befruchtung sind. Bei weiterem Interesse an diesem Vorgang möchte ich auf das Buch „The Herpetoculture of Leopard Geckos“ von R. Tremper verweisen, der kann das nämlich viel besser erklären als ich . . .   

Bauch eines ovulierenden Weibchens

Bauch eines erst kurze Zeit trächtigen Weibchens

Bauch eines trächtigen Weibchens kurz vor der Eiablage

Weibchen nach etwa der Hälfte der Trächtigkeit

trächtiges Weibchen kurz vor der Eiablage I

trächtiges Weibchen kurz vor der Eiablage II

c. www.klemkes-leopardgeckos.de

 

Leopardgeckos vergraben ihre Eier. Rückt der Zeitpunkt der Eiablage näher, werden die meisten Weibchen zunehmend nervöser, führen „Probegrabungungen“ an verschiedenen Stellen im Terrarium durch und manche stellen oft auch die Nahrungsaufnahme ein.
Sollte sich zu diesem Zeitpunkt noch keine vorbereitete Eiablagestelle im Terrarium befinden, wird es nun höchste Zeit, diese anzubieten, am besten in Form einer Eiablage-Box (eine Bauanleitung findet ihr z. B. hier, unter "Zubehörbau"). Diese werden meistens durch die Weibchen auch sehr gut angenommen. Auf jeden Fall aber sollte die Eiablagestelle geschützt sein und ständig leicht feucht gehalten werden. Das Fehlen einer solchen Eiablagestelle kann zu Legenot und damit zum Tod des Weibchens führen!!
Ebenfalls sollte man spätestens ab diesem Zeitpunkt keine Veränderungen mehr im Terrarium vornehmen oder das Weibchen gar umsetzen oder transportieren, denn auch solcher Streß kann zu Legenot führen. Nach der Eiablage „bewachen“ viele Weibchen ihre Eier noch ein paar Stunden. Damit ist die Brutpflege dann aber auch erledigt: Die Eier und damit auch die späteren Jungtiere werden sich selbst überlassen. Mehr noch: frisch geschlüpfte Jungtiere werden von älteren Tieren, auch den eigenen Eltern, als etwas fressbares betrachtet, gejagt und verspeist.  

Eiablage:

© www.wasseragame.de

 

Unter anderem aus diesem Grund empfiehlt es sich nicht, die Eier im Terrarium zu inkubieren. Stattdessen sollte man sie in ein Brutgerät (Inkubator) überführen, zumal sich dort auch die Temperatur und eine angemessene Luftfeuchtigkeit sowie die Entwicklung der Eier besser überwachen und kontrollieren lassen.  

Die Eier sollten möglichst bald nach der Eiablage in den Inkubator überführt werden. Hierzu legt man sie in mit Vermiculite oder Perlite gefüllte Heimchenboxen und stellt diese in den Inkubator. Dabei ist Vorsicht geboten, denn ab etwa 24 Stunden nach der Eiablage kann ein Drehen der Eier tödlich für den Embryo sein. Desweiteren sollte man die Heimchenboxen so präparieren, dass die Eier zwar gut belüftet werden und keine Staunässe entsteht, sie aber andererseits vor Tropfwasser geschützt sind. Dies lässt sich z. B. durch lockeres Auflegen des Deckels der Heimchenbox bewerkstelligen oder auch durch Bedecken der Eier mit Spaghum-Moos.

in Vermiculite eingebettetes Gelege, für's Photo ohne Abdeckung

Das Brutsubstrat sollte leicht feucht sein, da die Eihülle eine gewisse Luftfeuchtigkeit benötigt, um mit dem Embryo mitwachsen zu können. Ist das Brutsubstrat zu trocken, kann es dem Ei außerdem Feuchtigkeit entziehen und so das Austrocknen und Absterben des Embryos verursachen. Verwendet man Vermiculite, dann feuchtet man es soweit an, daß es sich zwar feucht anfühlt, beim Zusammendrücken zwischen zweit Fingern jedoch kein Wasser mehr austritt. Ein eindeutiges Anzeichen für zu trockenes Brutsubstrat ist die Bildung von meist längsseitigen Dellen an Eiern; feuchtet man das Substrat innerhalb weniger Tagen nach der Dellenbildung ausreichend nach, läßt sich dieser Fehler jedoch meist ohne negative Folgen beheben. Hierbei ist jedoch die bereits vergangene Inkubationszeit zu beachten, denn bei schlupfreifen Eiern können Dellen auch den baldigen Schlupf ankündigen. Dann darf nicht mehr nachgefeuchtet werden, da der Schlüpfling sonst nicht in der Lage ist, sich aus dem Ei zu befreien und abstirbt.

Möchte man wissen, ob die Eier befruchtet sind, besteht die Möglichkeit, die Eier z. B. mit einer kleinen LED-Lampe zu durchleuchten. Während unbefruchtete Eier einfarbig gelb sind und bleiben, kann man bei befruchteten Eiern meist die Keimscheibe als rosafarbenen Fleck sehen. Im weiteren Verlauf der Inkubation (ab ca. einer Woche) breitet sich die rosafarbene Färbung bei befruchteten Eiern weiter aus, bei beinahe schlupfreifen Eiern kann man manchmal sogar die Umriße des kleinen Geckos erkennen.
Häufig sind unbefruchtete Eier jedoch auch ohne dieses Hilfsmittel zu erkennen, da sie auch "unbeleuchtet" gelblicher wirken als befruchtete Eier. Unbefruchtete Eier beginnen innerhalb kurzer Zeit einzufallen und müssen dann umgehend aus dem Inkubator entfernt werden, da ansonsten die Gefahr von starker Schimmelbildung oder Ungezieferbefall besteht. Aber auch befruchtete Eier können leichten Schimmelbefall zeigen; wischt man diesen jedoch täglich sorgfältig und vorsichtig von der Eihülle, besteht noch Hoffnung, daß das Ei (und sein Insasse ) die Inkubation trotzdem unbeschadet überstehen. Oft wird dem Inkubationssubstrat auch Aktivkohle beigemischt, um Schimmelbildung von vornherein vorzubeugen.

unbefruchtetes Ei beim durchleuchten, ca. 1 Woche alt

befruchtetes Ei beim durchleuchten, ca. 1 Woche alt

unbefruchtetes (links) und befruchtetes (rechts) Ei aus demselben Gelege, ca. 1 Woche alt

 

Eine konstante Inkubation ist auch wichtig für die zuverlässige Beeinflußung des Geschlechts der Nachzuchten. Bei Leopardgeckos wird das Geschlecht durch die Inkubationstemperatur festgelegt, und nicht, wie bei Säugetieren, durch Chromosomen.

Dabei kann man sich grob an folgenden Werten orientieren:

unter 25°C
sollte nicht inkubiert werden, das wäre für Leo-Eier einfach zu kalt

26°C / 27°C
eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit für Weibchen

28°C / 29°C
etwa eine 50/50-Chance, beide Geschlechter können gemischt vorhanden sein

30°C - 32°C
eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit für Männchen

über 32°C
eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit für Weibchen, diese Tiere werden jedoch meist relativ aggressiv und verhalten sich eher männlich/dominant
 

Auch die Dauer der Inkubation wird durch die Temperatur beeinflußt. Grundsätzlich kann man dabei sagen: "Je kälter, desto länger" . . . Eier, die bei niedrigeren Temperaturen inkubiert werden, brauchen eher etwas mehr Zeit, werden also eher im Bereich um die 60 bis 70 Tage liegen (es sind aber bis zu 90 Tagen Inkubationsdauer möglich), Eier die bei höheren Temperaturen inkubiert werden, sind schneller "schlupfreif", ungefähr nach 35 bis 45 Tagen. Die Übergange sind dabei fließend, sodaß ich mich hier nicht auf genaue Zeitabstufungen bei bestimmten Temperaturen festlegen möchte . . .  

Die oben genannten Werte betreffen die Tagestemperatur. Man kann die Temperatur nachts für einige Stunden um ein paar Grad senken. Zu große Schwankungen gegenüber der Tagestemperatur können jedoch zu Missbildungen oder Absterben der Embryonen führen; 20°C bis 22°C sollten dabei auch nachts keinesfalls unterschritten werden. Dies soll die daraus schlüpfenden Leos später widerstandsfähiger machen, führt aber auch dazu, das weniger kräftige Leos den Schlupf nicht erleben.

Es ist grundsätzlich auch möglich, die Inkubationstemperatur während der Inkubation zu ändern. Besonders größere Züchter benutzen die Methode, daß sie in den ersten Wochen der Inkubation bei niedrigen Temperaturen inkubieren, um das Geschlecht sicher auf Weibchen festzulegen, und dann "hochdrehen", damit die Tiere früher schlüpfen und heller gefärbt sind (mehr zu Inkubationstemperatur und Färbung: hier).

 

S c h l u p f   und   A u f z u c h t   d e r   J u n g t i e r e

Der Schlupf der kleinen Geckos kündigt sich häufig, wenn auch nicht immer, durch Einfallen oder „Schwitzen“ der Eier an. Die Kleinen ritzen mit dem so genannten „Eizahn“ die Eihülle an und zwängen sich durch den so entstandenen Schlitz aus dem Ei.

Schlupf eines Leopardgeckos:

© www.albino-leopardgeckos.de

 

Bereits rechtzeitig vor dem erwarteten Schlupftermin sollte man die Aufzuchtbecken vorbereiten. In den ersten 6 bis 8 Lebenswochen hält man die Tiere am besten einzeln oder zu zweit in kleinen, mit Küchenpapier ausgelegten Aufzuchtbecken, da sie bei der Insektenjagd noch ungeübt sind und häufig „ins Leere schnappen“, was bei einer Ausstattung des Erstbeckens mit Sand dazu führen kann, dass die Nachzuchten zuviel Sand verschlucken und eine Verstopfung bekommen. Desweiteren kann bei dieser Art der Ersthaltung besser der Kotabsatz und dessen Beschaffenheit kontrolliert werden.  

Sind die Kleinen fit, gesund und etwas sicherer bei der Jagd, kann das umsetzen in ein voll ausgestattetes Terrarium erfolgen, dann auch in Gruppen von bis zu 4 Tieren. Bei manchen Züchtern bleiben die Kleinen auch bis zur Abgabe (welche den Tieren zuliebe frühestens mit 3 bis 4 Monaten erfolgen sollten, um den jungen Geckos nicht zu früh den Streß von Umzug und Transport zuzumuten) in den Erstbecken.